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Artillerie-Werkgruppe Hurka (Berghöhe)

Am 30. Mai 2008 hat das Verteidigungsministerium der Tschechischen Republik der Stadt Králíky (Grulich) die ehemalige Artillerie-Werkgruppe Berghöhe übergeben, die etwa 50 Jahre lang durch die Streitkräfte als Lagerstätte benutzt wurde. Am selben Tag hat die Stadt die Werkgruppe der Gesellschaft der Freunde der tschechoslowakischen Befestigung übergegeben, die eine öffentliche Ausschreibung über zivile Nutzung und Betrieb der Anlage für sich entscheiden konnte. Es wird hier sukzessive ein großes Museum eingerichtet und die ganze Anlage in das Projekt Grulicher Festungsgebiet eingegliedert. Wir streben die Eröffnung der lange Zeit unzugänglichen Untergrundräumlichkeiten der Werkgruppe noch in diesem Sommer an. Seit dem Baubeginn der Anlage im Jahr 1936 wird es sich dann um die ersten organisierten Besichtigungen für zivile Besucher handeln.

Kurzgeschichte der Werkgruppe

Die Bergkuppe Hůrka am Nordrand der Stadt trug in der Vergangenheit mehrere Namen, wie Hofeberg, Berghöhe, Horka und Výšina. Im Rahmen der Befestigungsarbeiten in den Jahren 1936-1938 bildete die Werkgruppe mit ihren 5 Werken zusammen mit dem nahe gelegenen Beobachtungswerk (K – S 12b) den Bauunterabschnitt 2./III. - Berghöhe.

Die Arbeiten führte die renommierte Baufirma Dr.-Ing. Karel Skorkovský aus Prag aus, die dafür ca. 25 Millionen Kronen bekam. Nach ihrer Fertigstellung hätte die Werkgruppe zusammen mit den benachbarten Werkgruppen Adamsberg und Baudenkoppe (Bouda) mit ihren schweren Waffen die Linien von großen Infanteriewerken und leichten Maschinengewehr-Anlagen Mod. 36 und 37 unterstützen können. Bis zum September 1938 - der Zeit des Münchener Abkommens - wurde die Werkgruppe baulich fertiggestellt. Die volle Bewaffnung (Drehtürme und alle Haubitzen) sollten in der 2. Hälfte 1939 komplettiert werden. Die voll kampffähige Werkgruppe sollte eine Besatzung von 424 Mann haben. Die nur teilweise kampffähige Werkgruppe wurde von der tschechoslowakischen Armee nach der erzwungenen Abgabe des Sudetenlandes an das III. Reich Anfang Oktober 1938 verlassen.

Während der Jahre 1938-45 diente das mächtige Bauwerk zuerst als Besuchsobjekt der Deutschen Wehrmacht (u. a. Fritz Todt zusammen mit General Molt), dann als eine wichtige Versuchsstation für verschiedene technische Einrichtungen (Panzertore, Schrägaufzugssysteme, Filteranlagen usw.). Darüber hinaus benutzte man die Kampfanlagen der Festung als Ziele für Schießversuche und zur Erprobung von Pionier-Sprengmitteln. Die Artilleriekasematte K – S 11 stellt vermutlich die erste Stelle außerhalb des Reichsgebietes dar, wo Schießversuche mit flügelstabilisierten Röchling-Geschossen stattfanden, die zu den deutschen Geheimwaffen des 2. Weltkrieges gehörten. Dadurch wurden die Festungswerke stark beschädigt. Der Ausbau der mächtigen Panzerglocken (Eigengewicht in der Regel 52 Tonnen) und der Schießscharten hat der Bausubstanz den Rest gegeben. Im Herbst 1944 wurden in den Untergrundräumen der Werkgruppe Vorbereitungsarbeiten für einen Rüstungsbetrieb in Verbindung mit einem Lager für einige hundert Gefangene als Arbeitskräfte begonnen.

In den ersten Nachkriegsmonaten wurden in der Festung Werkzeugmaschinen aus Grulicher Industriebetrieben gelagert, die dann als Kriegsbeute in die Sowjetunion abtransportiert wurden.

Im Jahre 1946 wurde die Festung durch das tschechische Heer geschlossen und gereinigt. 1958 wurde entschieden, die Untergrundräume als Munitionsdepot zu nutzen. Namen und Nutzungskonzepte dieser Einrichtung wurden im Laufe der folgenden Zeit einige Male geändert, jedenfalls diente die Festung 50 Jahre lang als Militärdepot. Die tschechische Armee hat sie Ende Mai 2008 definitiv verlassen.

Der heutige Zustand der Werkgruppe Hůrka

Der bautechnische Zustand des Objektes trägt die Spuren der langjährigen Nutzung als Militärdepot nur im begrenzten Ausmaß. Die durch die Armee veranlassten Arbeiten wurden im Vergleich zu ähnlichen Objekten schonend ausgeführt. Modernere Technik ist nur im Bereich des Eingangswerks zu finden, der Untergrund bleibt vom Umbau unberührt. Für die Verhältnisse in der Tschechischen Republik sind einige Teilsysteme des Eingangsbereichs einzigartig. Im Einzelnen ist es z. B. das Original-Panzertor im Eingangswerk, der funktionsfähige Schrägaufzug (hergestellt mit Hilfe der alten Unterlagen nach dem Krieg), die akkumulatorangetriebene Elektrolokomotive sowie die Schmalspurwaggons.

Das Eingangswerk K – S 12a liegt der Stadt am nächsten an der Straße aus Králíky (Grulich) nach Červený Potok, Richtung Hanušovice. Seine Lage ist für Besucher sehr vorteilhaft, schon allein wegen der großen Kapazität des asphaltierten und eingezäunten Parkplatzes. Die Kampfanlagen, vor allem das riesenhafte Artilleriewerk K – S 11, der mit einer Beton-Abdeckplatte überdachte Schacht des Verschwindturms K – S 12 und zwei Infanteriewerke (K – S 10 und K – S 13) befinden sich etwa 1000 Meter weiter nördlich um die eigentliche Berghöhe (Hoferberg). Das erste benachbarte Infanteriewerk K – S 14 Cihelna (Ziegelei) befindet sich etwa westlich der Berghöhe an der Straße Králíky – Prostřední Lipka, direkt am Militärmuseum.

Befestigungsmuseum Hůrka (Berghöhe)

Die Werkgruppe an sich stellt das Hauptexponat dar. Die gut erhaltenen Untergrundräume werden als Ausstellungsräume dienen, vor allem zu den Themen: Tschechische und ausländische Befestigungssysteme, historische Ereignisse, Okkupation und Widerstand. Eine gesonderte Ausstellung wird auf Grund vorhandener Originale den deutschen Erprobungen der Geheimwaffen in der Grulicher Gegend gewidmet. Dies ist die derzeitige Planung, die nach den technischen Möglichkeiten des Betreibers realisiert wird.

Führungsstrecke

Mit Rücksicht auf die gegenwärtigen Betriebsmöglichkeiten wird derzeit nur eine sog. Grundführung im Untergrund der Festung angeboten mit einer Gesamtlänge von etwa 1 400 Meter und einer Dauer von 70 Minuten. Eine minimale Besucheranzahl ist nicht festgelegt, die Höchstzahl einer Besuchergruppe ist auf 60 Personen begrenzt.

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